5. Juli 2012
Waren Sie schon einmal im Aerobic? Oder haben zugeschaut? Dann kennen Sie bestimmt den typischen Gesichtsausdruck von „das macht riesig Spass und ist gar nicht anstrengend“ eines jeden Aerobiclehrers. Die typischen Worte zum Gesichtsaudruck sind normalerweise „und Bei ufe! Ja, genau! Höch! Und na vier, na drü, na zwäi, und NAMAL! Na vier,…“
Genau wie in einer solchen Stunde habe ich mich die letzten Tage gefühlt. Ich müde und abgekämpft in der hintersten Reihe, um mich herum der Rest der Crew – alles Aerobiclehrer. Jeden Tag denkt man „noch vier“ und kaum hat man runtergezählt, merkt man, dass wir immer noch weit von Maui entfernt sind.
Wir haben noch immer frontalen Gegenwind, was das Vorwärtskommen sehr erschwert. Unser momentaner Tagesdurchschnitt liegt bei etwa 130 Meilen, das ist sehr wenig. Wir wünschen uns 180–200. Aber schlussendlich ist die ganze Crew froh, wenn wir einfach bald einmal ankommen. Es haben sich nun auch die letzten Aerobiclehrer als Sportmuffel entpuppt, so haben wir wenigstens wieder etwas mehr Teamgeist: „Let’s get to Maui!“
Lindsey Hoshaw, Freelance Journalistin und Bewohnerin des Bunks unter mir, hat mir heute sogar erzählt, sie hätte geträumt, wir kämen gar nie an. Sie ist für die New York Times unterwegs. Ihre Fotos sind ausserdem momentan im Museum für Gestaltung in Zürich zu sehen.
Den High Speed Trawl haben wir nicht mehr im Wasser. Alles, was uns verlangsamt, versuchen wir zu vermeiden. Die Fischerrute ist das einzige, was noch im Wasser ist. Gestern Abend durften wir die zweite Portion des zweiten Fischs geniessen. Es gibt wahrscheinlich nie bessere Abendessen auf diesem Boot als nach einem erfolgreichen Fangtag.
Apropos Essen und Träume: Ich habe noch immer diese sehr lebhaften Träume, in denen ich alles essen kann, was auch immer ich möchte. Wir dürfen nicht vergessen, uns geht es immer noch sehr gut: Wir haben genug zu trinken und genug zu essen, um noch ein paar Tage zu überleben. Es ist einfach vor allem psychisch sehr schwierig, wenn man ein so ungeduldiger Mensch ist wie ich. Auf Land werde ich einige Dinge – nicht nur das Essen – wieder viel mehr zu schätzen wissen.
Zum Beispiel entspanntes Duschen mit Süsswasser. Oder einen Toilettengang ohne anschliessendes Pumpen. Oder auch einfach nur
eine Tasse irgendwo hinstellen zu können, ohne sie festhalten zu müssen, damit sie nicht gleich irgendwo hin fliegt.
Wenn Sie also heute auf die Toilette gehen können, ohne zu pumpen, wenn Sie duschen gehen können, ohne dass Sie sich nachher vor Erschöpfung gleich hinlegen müssen, wenn Sie den Kühlschrank öffnen können und genau das heraus nehmen können, auf was Sie Lust haben – freuen Sie sich!
Ich freue mich sogar auf die Toilette im Flugzeug, die hat nämlich einen Knopf zum Spülen.