Flying Fish und bewachsene Plastikeimer

Die Zeit ver­geht wie im Fluge. Das liegt wahr­schein­lich daran, dass wir
lang­sam jeg­li­ches Zeit­ge­fühl ver­lie­ren. Als heute mor­gen um 8:25 die Sonne
schon fast im Zenit stand, haben wir beschlos­sen, die Uhren um zwei Stun­den
nach vorne zu stel­len.
Der High Speed Trawl, der über Nacht draus­sen war, beinhal­tete einen Fly­ing
Fish sowie zahl­rei­che Nurd­les und sons­ti­ger Plas­ti­k­ab­fall. Den Fisch haben
wir natür­lich sofort auf­ge­schnit­ten und sei­nen Magen unter­sucht. Gefun­den
haben wir nicht viel mehr als ein Krebs­bein. Über­ra­schen­der­weise hatte ich
keine Pro­bleme mit inten­si­vem Fisch­ge­schmack vor dem Früh­stück. Apro­pos
Früh­stück: Das hat in den letz­ten zwei Mor­gen einen extre­men
Qua­li­täts­auf­schwung erhal­ten. Ges­tern gab es von uns Pan­cakes und heute hat
uns die vor­he­rige Crew Oat­meal gekocht. Schon kurze Zeit spä­ter sahen wir
das erste grosse Plas­tik­teil. Natür­lich wurde das Boot gewen­det und wir
fisch­ten den tür­ki­sen Eimer auf Deck. Er war nur leicht bewach­sen und hatte
chi­ne­si­sche Schirft­zei­chen auf der Unter­seite. Kurze Zeit spä­ter fan­den wir
noch wei­tere Gegen­stände, wel­che von vor allem von Mar­cus unter­sucht
wur­den. Ihn inter­es­siert zum Bei­spiel, wie stark der Gegen­stand bewach­sen
ist und ob er von Mikro­ben bevöl­kert wird. Aus­ser­dem wer­den Pro­ben
her­aus­ge­schnit­ten, die dann spä­ter im Labor auf Gift­stoffe unter­sucht
wer­den. Es ist wich­tig her­aus­zu­fin­den, wel­che Gift­stoffe beson­ders gut an
Plas­tik haf­ten. Dass wir heute mit spot­ten so erfolg­reich waren, liegt am
extrem guten Wet­ter und der ruhi­gen See. Wir muss­ten sogar den Motor
anschal­ten. Jedoch ver­ra­ten die Cir­rus­wol­ken einen Wet­ter­um­schwung. So
wur­den heute die Schlech­te­wet­ter­se­gel hoch­ge­zo­gen, damit wir im Falle von
star­kem Wind bereit sind. Wir wol­len den Wind so gut wie mög­lich
aus­nüt­zen, damit wir schnellt ost­wärts kom­men. Schliess­lich wer­den wir –
ein­mal mehr – von einem Tai­fun verfolgt.


3 Kommentare


  1. René Ziegler

    Hallo Laura,

    Deine Blogs sind echt span­nend und auf­schluss­reich. Hof­fent­lich macht ihr noch viele inter­es­sante und dra­ma­ti­sche Ent­de­ckun­gen, damit wir mit­tels Dei­ner Blog­ein­träge einer wei­te­ren Öffent­lich­keit die Pro­ble­ma­tik der Mee­res­ver­schmut­zung durch den unre­flek­tier­ten Gebrauch und die unver­ant­wort­li­che Ent­sor­gung von Kunst­stof­fen (Plas­tik) ins Bewusst­sein brin­gen kön­nen. Die Zeit dafür scheint reif, wenn sogar das Schwei­zer Par­la­ment, zumin­dest mal der Natio­nal­rat, ein Ver­bot von Plas­tick­sä­cken ins Betracht zieht. Beschlos­sen ist zwar noch nichts und bei uns will gut› Ding ja bekannt­lich sehr viel Weile haben, aber hof­fen darf man ja.…

    Die Dra­ma­tik des Plas­tiks in Meer und vor allem der beim Abbau schluss­end­lich ent­ste­hen­den unsicht­ba­ren Mikro­par­ti­kel, Micro­plas­tics, ist mir bei einer kürz­li­chen Fahrt in der Wal­vis Bay in Nami­bia bewusst gewor­den. Das Was­ser ist dort noch sau­ber und die Aus­tern­bänke gedei­hen bes­tens. Was aber geschieht mit der Lebens­grund­lage der Aus­tern­züch­ter und mit unse­rer Gesund­heit als Kon­su­men­ten, wenn die Aus­tern Micro­plas­tics mit der Nah­rung auf­neh­men und ein­bauen? Was geschieht mit den Che­mi­ka­lien, die beim Abbau des Plas­tiks aus­tre­ten und von Fischen und andern Mee­res­or­ga­nis­men auf­ge­nom­men wer­den und so auch noch in unsere Nah­rungs­kette eindringen?

    Eure Arbeit ist sehr wich­tig! Viel Spass und Erfolg, I’ll stay tuned, René

  2. iten cordula

    Am bes­ten gefällt mir eigent­lich, dass du dich übers Essen freust. Das zeigt, du bist gesund! Und jetzt also Tempo und dem Tai­fun davon!

  3. Jacqueline Boschung

    Hallo Laura, es tut so gut von Dir zu lesen. Bin sehr glück­lich, dass es Dir wie­der besser/gut geht. Deine blogs sind sehr inter­es­sant. Take care s’Gotti

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