Ein Plastikstrudel — was ist das?

Für die­sen Blog werde ich in Zukunft regel­mäs­sig schrei­ben. Mee­res­öko­lo­gie und die Frage, wie der Plas­ti­k­ab­fall sie beein­flusst, inter­es­sie­ren mich sehr. Ich möchte im Herbst auf das For­schungs­schiff «Sea Dra­gon» von Pan­gaea Explo­ra­ti­ons gehen, das unter ande­rem auch die Plas­tik­ver­schmut­zung der Ozeane unter­sucht. Falls mein Plan klappt, werde ich direkt aus dem Feld bloggen.

Meine ers­ten Posts gel­ten den Plas­tik­stru­deln. Wo befin­den sie sich, und wie muss man sie sich vor­stel­len? Jeder der fünf Wir­bel erhält ein Portrait.

Die For­schung geht davon aus, dass Plas­tik in der Zwi­schen­zeit in allen Ozea­nen zu fin­den ist. Mit ande­ren Wor­ten glei­chen unsere Welt­meere einer rie­si­gen Plas­tik­suppe. Die Orte, an denen die Plas­tik­dichte am gröss­ten ist, heis­sen im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch „Plas­tik­wir­bel“. Einer die­ser Orte befin­det sich im Nordatlantik.

Die­sen Plas­tik­wir­bel doku­men­tierte Edward Car­pen­ter 1972 zum ers­ten Mal, nach­dem in die­sem Gebiet schon 1969 „schwim­men­der Plas­tik“ von Thor Heyerdal beob­ach­tet wor­den ist.

Die letzte grös­sere For­schungs­reise, wel­che die Plas­tik­ver­schmut­zung im Nord­at­lan­tik unter­suchte, fand im Januar und Februar 2010 statt. Die Orga­ni­sa­tion 5Gyres nahm damals - ver­teilt auf 3000 Mei­len zwi­schen St. Tho­mas, Ber­muda und den Azo­ren – 35 Pro­ben. Auch die Sea Edu­ca­tion Asso­cia­tion (SEA) beob­ach­tet die Ent­wick­lun­gen rund um die Sar­gas­so­see. Beide For­scher­grup­pen fol­ger­ten aus ihren Beob­ach­tun­gen und Mes­sun­gen, dass die Ver­schmut­zun­gen des Nord-Atlantiks und die­je­nige des Nord-Pazifiks durchaus ver­gleich­bar sind.

Die Debris­zone bleibt nicht sta­tisch an einem Ort, son­dern wan­dert sai­so­nal bis zu 1600 km von Nor­den nach Süden und zurück. Die Dichte beträgt ca. 200 000 Teil­chen pro Qua­drat­ki­lo­me­ter. Diese ist mit Schlepp­netz­fi­sche­rei­ge­rä­ten mess­bar. Doch mit den soge­nann­ten Trawls sind nur die Teil­chen an der Ober­flä­che mess­bar, ver­teilt sind sie jedoch auf die gesamte Was­ser­säule. Bei­spiels­weise Poly­sty­rol (zu fin­den in Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen wie Joghurt) und Poly­car­bo­nat (CD’s, Flug­zeug­fens­ter) sin­ken zu Boden, wäh­rend Poly­pro­py­len (bspw. In Kin­der­sit­zen, Rohr­lei­tun­gen) und Schaum­stoff (bspw. Topf­schwämme) an der Ober­flä­che schwimmen.

Plas­tik ist zwar nicht bio­lo­gisch abbau­bar, wird jedoch durch UV-Licht und phy­si­ka­li­sche Kräfte zer­bro­chen. So zer­fal­len die grös­se­ren Plas­tik­stü­cke in immer klei­nere, bis sie die Grösse von Plank­ton errei­chen. Die Inhalts­stoffe von Plas­tik, bei­spiels­weise Phtha­late, wer­den eben­falls im Meer­was­ser aus­ge­wa­schen. Sie wir­ken, wie in unse­rem Kör­per, als hormon-ähnliche, frucht­bar­keits­hem­mende Stoffe.

Die Pro­ble­ma­tik ist offen­sicht­lich: Die Stoffe, wel­che dem Erdöl bei der Plas­tik­her­stel­lung beige­mischt wur­den, wer­den vom Meer­was­ser aus­ge­wa­schen und gelan­gen so in die Nah­rungs­kette. Ande­rer­seits wird Mikro­plas­tik von den Fischen auf­ge­nom­men, wen er so klein wird, dass er für Plank­ton gehal­ten wird.

Für Ein­drü­cke und wei­tere Infor­ma­tio­nen kli­cken Sie bitte auf die­sen Link, der Sie direkt zu Auf­nah­men von 5Gyres führt.
Wenn Sie wis­sen wol­len, mit was das Netz eines Manta-Trawls nach 45min Schlepp­zeit gefüllt ist, dann kli­cken Sie hier.


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